Sandra Bullock über ihre Rückkehr ins Kino, Mutterschaft und «Practical Magic 2» für Interview Magazine

«Ich bin ein wenig müde, aber noch nie war ich so glücklich»
Sandra Bullock ist das Covergirl der Septemberausgabe des Interview Magazine. Für das Fotoshooting posierte die 62-jährige Schauspielerin zwischen Theaterkulissen des bekannten ungarischen Fotografen Sylvester Makó, während Lisa Jarvis für das Styling verantwortlich war.
Neben dem Shooting gab die Schauspielerin ein offenes Interview, das von ihrer langjährigen Freundin Jennifer Aniston geführt wurde. Die beiden sprachen über Bullocks vierjährige Karrierepause, Mutterschaft, Hollywood und ihre Rückkehr zu «Practical Magic».

Bullocks bislang letzter Film — «The Lost City» — kam 2022 in die Kinos. Seitdem war die Schauspielerin kaum noch auf der großen Leinwand zu sehen. Aniston scherzte, dass das Publikum in dieser Zeit hätte glauben können, Bullock sei für ein ganzes Jahrhundert verschwunden.
Nun kehrt sie zurück — und ausgerechnet mit der Fortsetzung von «Practical Magic». Der erste Film, in dem Bullock gemeinsam mit Nicole Kidman als Sally Owens zu sehen war, kam bei den Kritikern seinerzeit überhaupt nicht gut an. Die Schauspielerin erinnerte sich daran, wie unangenehm es ihr nach der Premiere angesichts der vernichtenden Kritiken gewesen sei.

Doch im Laufe der Jahre änderte sich alles. Der Film fand sein eigenes Publikum und entwickelte sich zu einer Lieblingsgeschichte mehrerer Generationen: «Mütter haben ihn mit ihren Töchtern geschaut, und die Töchter sind aufgewachsen und haben ihn dann mit ihren eigenen Töchtern gesehen. Das war völlig unerwartet», erzählte Bullock.
Es war schließlich die Liebe des Publikums, die sie dazu brachte, über eine Fortsetzung nachzudenken.
Diesmal hat «Practical Magic 2» für Bullock eine deutlich persönlichere Bedeutung. Sie betrachtet den Film nicht nur als Rückkehr zu vertrauten Figuren, sondern auch als Möglichkeit, ihrer eigenen Tochter Laila etwas Wichtiges mit auf den Weg zu geben.
«Ich wollte etwas Wichtiges sagen, denn für mich ist das ein Liebesbrief an Laila», gestand Sandra.

Bullock verbindet die Geschichte ihrer Figur mit ihren eigenen Erfahrungen als Mutter. Ihrer Adoptivtochter wollte sie eine Art Botschaft hinterlassen, verbunden mit Entschuldigungen für jene Momente, in denen sie sie vielleicht enttäuscht, nicht die richtigen Worte gefunden oder etwas falsch gemacht haben könnte.
«Ich wollte ihr einen Liebesbrief mit meinen “Entschuldigungen” schenken. Wenn ich sie irgendwo enttäuscht habe, wenn ich nicht weiß, wie ich die richtigen Worte finden soll — dann bitte ich um Verzeihung», sagte Sandra.
Am meisten macht ihr derzeit das Erwachsenwerden ihrer Kinder Angst. «Ich möchte einfach das Richtige tun und ihr helfen, genauso mutig zu sein, wie sie es ohnehin schon ist. Und das macht mir verdammt viel Angst», gestand die Schauspielerin.

Darüber hinaus hat die Mutterschaft laut Bullock auch ihre Einstellung zur Arbeit verändert. Während früher ihre Karriere ihren Terminkalender bestimmen konnte, ist es heute genau umgekehrt.
«Wenn die Kinder nicht bei mir sein können, fahre ich nicht. Ihr Zeitplan ist wichtiger, als dass ich eine weitere Geschichte erzähle. Punkt», erklärte sie.
Sandra spürt inzwischen auch stärker, dass der Moment näher rückt, in dem ihre Kinder erwachsen werden und ihr Zuhause verlassen.
Ihr Sohn Louis ist derzeit 16 Jahre und sechs Monate alt: «Ich muss lernen, damit umzugehen, denn Kinder müssen irgendwann immer gehen», sagte die Schauspielerin.

Im Gespräch mit Aniston ging es auch um Bullocks Karriereentscheidungen. Einst hatte sie sich bewusst von romantischen Komödien abgewandt, obwohl genau dieses Genre sie zu einem seiner bekanntesten Stars gemacht hatte.
«Der einzige Moment, in dem ich bewusst entschieden habe, wohin sich meine Karriere entwickeln sollte, war der, als ich sagte: “Ich muss jetzt einfach mit romantischen Komödien aufhören”, weil so viel Kritik auf mich einprasselte», erinnerte sie sich.
Danach übernahm Bullock eine dramatische Rolle in «Crash», um dem Publikum eine andere Seite ihrer schauspielerischen Fähigkeiten zu zeigen.
Heute sieht sie die Sache allerdings ganz anders. Sandra gestand, dass sie die Komödie vermisst und wieder in diesem Genre arbeiten möchte.
Aniston merkte an, dass auch das Publikum wieder romantische Komödien sehen wolle, wie sie in den 1990er-Jahren und Anfang der 2000er populär waren. Bullock reagierte ganz in ihrem Stil: «Manche wollen die Sexualität zurückbringen. Wir bringen den Humor zurück.»
Dann fügte sie hinzu: «Wer braucht schon Sex? Das ist viel zu viel Arbeit.»

Bullock sprach auch darüber, warum sie ihr Privatleben so konsequent schützt. Ihrer Aussage nach gehörte diese Zurückhaltung bereits seit ihrer Kindheit zu ihrem Wesen.
«Ich war schon als Kind unglaublich verschlossen. Damit habe ich meine Mutter wahnsinnig gemacht. Es ist einfach Teil meiner Natur», erzählte sie.
Hollywood lässt Menschen ihrer Ansicht nach nicht immer das Recht auf Privatsphäre. Besonders schwierig werde es, wenn Menschen in ihrem Umfeld bereit seien, persönliche Informationen für Geld zu nutzen.
Gleichzeitig würde Sandra gerne weniger ängstlich sein und sich selbst mehr Freiheit erlauben.
Ihrer Meinung nach ist genau deshalb der Zeitpunkt für «Practical Magic 2» so passend. Die Geschichte der beiden Hexenschwestern bietet die Möglichkeit, nicht nur über Magie zu sprechen, sondern auch über weibliche Stärke, Zusammenhalt und die Angst der Gesellschaft vor unabhängigen Frauen.
Auf Anistons Frage, was ihr dabei geholfen habe, so lange gefragt zu bleiben, antwortete Sandra schlicht: «Talent, Zeit und die Fähigkeit, “Nein” zu sagen».

Dann fügte sie noch etwas hinzu — Dankbarkeit: «Ich weiß, wie viel Glück ich habe, und ich weiß, dass das alles sehr schnell vorbei sein kann», sagte sie.
Heute möchte Bullock keine starren Pläne für die Zukunft machen. Sie gibt zu, dass sie müde und ein wenig ausgebrannt ist und deshalb mehr Zeit ihrem Leben abseits der Arbeit widmen möchte.
«Vielleicht muss ich einfach ein wenig innehalten und anfangen, mehr außerhalb des beruflichen Umfelds mit Menschen zu sprechen. Ich bin ein wenig müde, ein wenig ausgebrannt, aber noch nie war ich so glücklich», gestand der Star.
Foto: Interview Magazine







