Yayoi Kusama ist tot — die legendäre japanische Künstlerin und «Königin der Punkte»

Sie wurde 97 Jahre alt
Die weltberühmte japanische Künstlerin Yayoi Kusama ist in Tokio gestorben. Sie wurde 97 Jahre alt. Ihr Tod wurde am 27. August von dem nach ihr benannten Museum und der Stiftung bekannt gegeben.
Kusama starb am 14. August in einem Krankenhaus in Tokio. Die Todesursache war multiples Organversagen. Nach Angaben der Stiftung arbeitete sie nahezu bis zu ihren letzten Tagen weiter.

Yayoi Kusama wurde am 22. März 1929 in der japanischen Stadt Matsumoto geboren. Bereits als Kind begann sie zu zeichnen. Schon in jungen Jahren litt sie unter visuellen und akustischen Halluzinationen: Sie sah Lichtblitze, Blumen, Netze und Punktmuster, die den Raum um sie herum zu erfüllen schienen. Später bildeten diese Motive die Grundlage ihrer unverwechselbaren Bildsprache.

Ende der 1950er-Jahre zog Kusama nach New York, wo sie Teil der avantgardistischen Kunstszene wurde. Sie arbeitete mit Malerei, Skulptur, Installation, Performance, Film und Literatur und setzte sich dabei mit Themen wie Unendlichkeit, Wiederholung, Angst und der Auflösung des Ichs im Raum auseinander. In den 1960er-Jahren organisierte die Künstlerin zudem Antikriegsaktionen und provokante Performances.

Zu ihren bekanntesten Werken zählt die 1965 entstandene Installation Infinity Mirror Room — Phalli’s Field. Die Spiegelräume, in denen sich Licht und Objekte unzählige Male reflektieren und so die Illusion eines grenzenlosen Raumes erzeugen, wurden später zu Kusamas Markenzeichen. Ebenso unverwechselbar sind ihre Kürbisskulpturen, die Gemälde aus der Serie Infinity Nets und ihr charakteristisches Punktmuster.

Einen besonderen Stellenwert in der künstlerischen Laufbahn Kusamas nahm die Biennale von Venedig ein. 1966 präsentierte sie dort ohne offizielle Einladung die Installation Narcissus Garden, für die sie rund 1.500 verspiegelte Kugeln arrangierte. 1993 vertrat sie Japan schließlich offiziell im nationalen Pavillon der 45. Biennale von Venedig. Dieser Auftritt markierte einen wichtigen Meilenstein bei ihrer Rückkehr auf die internationale Kunstszene.

1973 kehrte Kusama aus den USA nach Japan zurück, wo sie weiterhin Gemälde und Installationen schuf und sich auch der Literatur widmete. Seit 1977 lebte sie freiwillig in einer psychiatrischen Klinik in Tokio und arbeitete täglich in ihrem nahe gelegenen Atelier. Die Künstlerin betonte wiederholt, dass ihr gerade die Kunst geholfen habe, weiterzuleben und ihre psychischen Probleme zu bewältigen.

Kusamas Werke fanden längst auch außerhalb von Museen Beachtung. Sie arbeitete mit dem Designer Issey Miyake zusammen und entwarf 2012 eine gemeinsame Kollektion mit Louis Vuitton. Ihre berühmten Punkte zierten Kleidung, Schuhe, Taschen und Accessoires des Modehauses. 2023 setzten Kusama und die französische Luxusmarke ihre Zusammenarbeit mit einer zweiten umfangreichen Kollektion fort.

Die Künstlerin war auch für ihr gesellschaftliches Engagement bekannt. 1968 wandte sie sich vor dem Hintergrund des Vietnamkriegs in einem offenen Brief an den US-Präsidenten Richard Nixon. Darin verglich Kusama die Erde mit einem winzigen Punkt unter Millionen von Himmelskörpern und rief dazu auf, den Krieg zu beenden.

Yayoi Kusamas Werke wurden im MoMA, im Whitney Museum, in der Tate Modern und in weiteren führenden Museen weltweit gezeigt. 2016 wurde sie mit dem japanischen Kulturorden ausgezeichnet, ein Jahr später eröffnete in Tokio ein Museum, das ihrem Werk gewidmet ist.

Kusama galt als eine der einflussreichsten und erfolgreichsten Künstlerinnen der Gegenwart. Ihre Punkte, Spiegelräume und Kürbisse reichten weit über die Kunstwelt hinaus und wurden zu unverwechselbaren Symbolen der Populärkultur.

Foto: Instagram @yayoikusamamuseum, @louisvuitton

