Gänsehaut garantiert: 5 legendäre Szenen von Alfred Hitchcock, die Filmgeschichte schrieben

Zum 127. Geburtstag des Königs des Suspense
Am 13. August 1899 wurde Alfred Hitchcock geboren — der Regisseur, der dem Publikum beibrachte, sich vor ganz alltäglichen Dingen zu fürchten: vor dem Fenster gegenüber, einem Vogelschwarm, einer Dusche in einem Motel oder einem Flugzeug am Himmel.
Hitchcock verstand es meisterhaft, die Aufmerksamkeit des Publikums zu lenken und selbst dort Spannung zu erzeugen, wo scheinbar gar nichts geschah. Er experimentierte mit Schnitt, Kameraperspektiven, Ton und Kamerabewegungen — Techniken, die Filmschaffende bis heute aufgreifen.
Anlässlich seines Geburtstags erinnert INSIDER.AT an fünf der berühmtesten Szenen aus Hitchcocks Filmen.
«Psycho», 1960 — die Duschszene
Selbst wer «Psycho» nie gesehen hat, kennt diese Szene höchstwahrscheinlich. Marion Crane, gespielt von Janet Leigh, duscht in einem Motel, als hinter dem Vorhang plötzlich die Silhouette einer Person mit einem Messer auftaucht.
Der eigentliche Angriff dauert nur etwa 45 Sekunden, doch die Dreharbeiten nahmen eine ganze Woche in Anspruch. Für die Szene kamen 78 Kameraeinstellungen und 52 Schnitte zum Einsatz. Das Gefühl brutaler Gewalt erzeugt Hitchcock vor allem durch den rasanten Schnitt, die Nahaufnahmen und Bernard Herrmanns schrille, eindringliche Musik.
Die Szene wurde zu einer der bekanntesten der Filmgeschichte, während der schneidende Klang der Streicher nahezu zum Synonym für Gefahr auf der Leinwand avancierte.
«Vertigo», 1958 — der Blick in die Tiefe
In «Vertigo» wollte Hitchcock die Höhenangst seines Protagonisten nicht einfach nur zeigen — das Publikum sollte sie gemeinsam mit ihm spüren.
Dafür kam eine Technik zum Einsatz, die später als Dolly Zoom bekannt wurde: Die Kamera bewegt sich in eine Richtung, während sich die Brennweite des Objektivs gleichzeitig in die entgegengesetzte Richtung verändert. Dadurch scheint sich die Perspektive im Bild zusammenzuziehen oder auseinanderzudehnen.
Dieser Effekt wurde zu einem Markenzeichen von «Vertigo» und später zu einer der berühmtesten Techniken der Filmgeschichte. Unter anderem griffen Steven Spielberg in «Der weiße Hai» und Martin Scorsese in «GoodFellas» darauf zurück.
«North by Northwest», 1959 — ein Flugzeug mitten im Nirgendwo
Cary Grant steht allein in einer menschenleeren Landschaft. Um ihn herum ist fast nichts — und scheinbar gibt es auch nichts, wovor er sich fürchten müsste.
Bis plötzlich ein Flugzeug am Himmel auftaucht.
Statt einer für Thriller typischen dunklen Straße oder einer unheimlichen Gasse verlegt Hitchcock die Gefahr ins grelle Sonnenlicht — in eine vollkommen offene Landschaft. Das Flugzeug beginnt, den Protagonisten zu verfolgen, und die menschenleere Umgebung verwandelt sich augenblicklich in eine Falle.
Gerade dieser Kontrast machte die Szene zu einer der bekanntesten in Hitchcocks Karriere.
«Die Vögel», 1963 — die Vögel vor der Schule
Melanie Daniels, gespielt von Tippi Hedren, sitzt auf einer Bank vor einer Schule. Hinter ihr befindet sich ein Spielplatz.
Zunächst landet ein einzelner Vogel auf dem Klettergerüst. Dann kommen weitere hinzu. Melanie bemerkt nicht, was direkt hinter ihrem Rücken geschieht. Als sie sich schließlich umdreht, ist der Spielplatz bereits voller Vögel.
Hitchcock macht hier das Warten selbst zur eigentlichen Quelle der Angst: Das Publikum erkennt die Gefahr früher als die Protagonistin und kann nichts dagegen tun — ihm bleibt nur, abzuwarten.
«Der Fremde im Zug», 1951 — das Tennismatch
Auf den Tribünen verfolgen Dutzende Zuschauer synchron den Tennisball: Ihre Köpfe bewegen sich nach links — nach rechts, nach links — nach rechts.
Alle bis auf einen Mann.
Bruno Anthony, gespielt von Robert Walker, blickt regungslos geradeaus. Dieser visuelle Kontrast genügt Hitchcock, um Unbehagen zu erzeugen: Während alle anderen das Spiel verfolgen, beobachtet Bruno einen ganz anderen Menschen.
Keine Verfolgungsjagd, keine Spezialeffekte — nur ein unbewegter Blick inmitten Dutzender Köpfe, die sich im Gleichklang bewegen. Ein ebenso schlichtes wie perfektes Beispiel für Hitchcocks Kunst des Suspense.
Hitchcock erklärte immer wieder den entscheidenden Unterschied zwischen Überraschung und Suspense. Eine plötzlich auftretende Gefahr löst einen kurzen Schock aus. Weiß das Publikum jedoch schon im Voraus von der Bedrohung, beginnt das Warten — und genau daraus entsteht Spannung.
Vielleicht ist es gerade deshalb, dass Hitchcocks Filme selbst Jahrzehnte später nichts von ihrer Wirkung verloren haben. Wir wissen genau, dass gleich das Messer auftaucht, das Flugzeug heranfliegt oder sich hinter der Protagonistin ein ganzer Vogelschwarm versammelt.
Und trotzdem schauen wir weiter.
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