Hotel Guide von Olga Torner: Rückzug auf 2.000 Metern Höhe im Alila Jabal Akhdar

Manchmal genügt ein einziger Tag am richtigen Ort, um den Kopf freizubekommen und die Welt wieder klarer, heller und inspirierender wahrzunehmen. Für mich war genau ein solcher Ort das Alila Jabal Akhdar – ein luxuriöses Boutique-Hotel, verborgen in den Bergen Omans auf über 2.000 Metern Höhe. Es vereint modernes Design mit traditionellen Materialien, spektakuläre Ausblicke auf Canyons und Berggipfel sowie erstklassigen Service.
Vor Kurzem habe ich dort nur eine Nacht verbracht – und doch reichte diese kurze Zeit aus, um zu erkennen: Dies ist ein idealer Ort für einen Reset und echte Abgeschiedenheit. Das Hotel ist wahrhaft einzigartig – sowohl in seiner Lage als auch in seiner Atmosphäre. In diesem Review erzähle ich, womit es mich begeistert hat, welche Stärken besonders hervorzuheben sind und wo es aus meiner Sicht noch Raum für Verbesserungen gibt.
📍 Anreise: individuell oder per Transfer
Alila Jabal Akhdar liegt im omanischen Gebirge Jebel Akhdar, etwa zweieinhalb Autostunden vom internationalen Flughafen Maskat entfernt. Schon die Anfahrt ist Teil des Erlebnisses: Eine Serpentinenstraße führt immer weiter hinauf und eröffnet unterwegs atemberaubende Landschaften.

Wer selbst fährt, sollte in Maskat unbedingt ein leistungsstarkes Fahrzeug – idealerweise einen Geländewagen – mieten. Besonders die letzten 45 Minuten führen über steile Bergstraßen, die ausschließlich für Allradfahrzeuge zugänglich sind. Auf dem Weg befindet sich zudem ein Polizeiposten, an dem eine Registrierung erforderlich ist.

Alternativ bietet das Hotel einen Transfer an. Die Kosten vom Flughafen Maskat zum Hotel liegen bei etwa 130 omanischen Rial (ca. 338 US-Dollar) für bis zu vier Personen.
🏞 Einzigartige Lage: eine Stille, die man in der Stadt nicht findet
Das Erste, was beim Ankommen im Alila Jabal Akhdar beeindruckt, ist die Stille und Weite. Das Hotel liegt direkt an der Kante eines Canyons – aus den Zimmern und von den Balkonen eröffnen sich Ausblicke, die einem den Atem rauben.

Tief eingeschnittene Schluchten, bizarr geformte Felsen und ein Sonnenuntergang, der die Landschaft in goldene und rosafarbene Töne taucht – ein Anblick, den man nie vergisst. Morgens erwacht man nicht vom Stadtlärm, sondern vom Wind und einem fernen Echo – eine Ruhe, die zutiefst entschleunigt.

🏡 Architektur und Design: Tradition in zeitgemäßer Interpretation
Die Innenräume des Hotels zeugen von großem Respekt gegenüber der lokalen Kultur. Stein, Holz und kunstvolle Schnitzereien – alles ist aus natürlichen Materialien gefertigt und bis ins Detail durchdacht. Gleichzeitig wirkt nichts museal: Der Stil ist modern, minimalistisch und zugleich warm und einladend. Handgewebte Teppiche auf den Böden, Lampen mit Schirmen in Form traditioneller omanischer Gefäße – jedes Detail fügt sich harmonisch ins Gesamtbild.

Ich wohnte in einer höherwertigen Zimmerkategorie, deren genaue Bezeichnung mir entfallen ist. Das Zimmer war großzügig geschnitten, zweigeschossig und ungewöhnlich gestaltet. Amüsanterweise entdeckte ich die Badewanne erst am nächsten Morgen – zunächst dachte ich, es gäbe nur eine Dusche. Erst nach einem kleinen Rundgang stellte sich heraus, dass sie hinter mehreren Raumwinkeln «versteckt» war. Eine echte Überraschung (lacht).

Einige Zimmerkategorien verfügen über einen beheizten privaten Pool oder Badezimmer mit Panoramablick. Man kann sich leicht vorstellen, wie man unter dem Sternenhimmel badet – mit Bergen als Kulisse. Eindrücke, die lange nachwirken.
🥾 Aktivitäten: von Abenteuer bis Kontemplation
Alila Jabal Akhdar bietet weit mehr als reine Erholung. Gäste können an kulturellen Ausflügen teilnehmen, etwa zu den traditionellen Märkten in Nizwa – inklusive des berühmten Viehmarkts am Freitag. Zudem gibt es zahlreiche Wanderwege, darunter Routen zu verlassenen Dörfern und durch spektakuläre Canyons.

Ein besonderes Highlight ist die Via Ferrata – eine gesicherte Kletterroute mit Stahlseilen. Absolut sicher, aber mit reichlich Adrenalin. Sie zählt zu den höchstgelegenen gesicherten Klettersteigen im Nahen Osten.
Abends öffnet sich der Himmel: Auf dem Hotelgelände steht ein Teleskop, und auf Wunsch organisiert das Team eine geführte Sternenbeobachtung. Ein Astronomie-Guide erzählt Spannendes über Sirius, Galaxien und ferne Welten. So einen Sternenhimmel habe ich zuvor noch nie gesehen – selbst durch die Kamera eines iPhones ist er beeindruckend, durch das Teleskop umso mehr.

Wer nach einem aktiven Tag vollkommen entspannen möchte, ist im hoteleigenen Spa bestens aufgehoben. Natürliche Öle, absolute Ruhe, Jacuzzi, Massagen, Sauna sowie ein Ruhebereich mit Kräutertees und weichen Decken schaffen eine Atmosphäre tiefer Erholung.
Ein ganz besonderes Erlebnis erwartet Gäste im Frühling: die Blütezeit der Damaszenerrose – von Ende März bis Mitte Mai. Dann verwandeln sich die Hänge des Jabal Akhdar in rosafarbene Terrassen. Auf 2.000 Metern Höhe entfaltet diese intensive, einzigartige Rose ihr unverwechselbares Aroma. Übrigens: Ihr Duft ist Bestandteil der Parfümkompositionen von Amouage – davon erfuhr ich bei einem Besuch der Parfümfabrik der Marke hier im Oman.

Während der Blütezeit organisiert Alila Jabal Akhdar spezielle Ausflüge zu den Rosenfarmen – früh am Morgen, wenn die Luft vom Duft der Blüten erfüllt ist. Die Ernte erfolgt noch immer von Hand, wie vor hundert Jahren. In den Dörfern wird das Rosenöl traditionell in Kupferkesseln destilliert. Man kann über die Hänge spazieren, lokale Höfe besuchen, Rosentee trinken und Gebäck mit Blütenblättern probieren.
🍽 Kulinarik: köstlich, aber mit Luft nach oben
Einziger kleiner Wermutstropfen war für mich das Frühstück. Alles, was angeboten wird, ist geschmackvoll angerichtet und von guter Qualität, dennoch hätte ich mir etwas mehr Vielfalt gewünscht – insbesondere bei kalten Speisen wie Käse, luftgetrocknetem Fleisch oder leichten Vorspeisen.

Die warmen Gerichte hingegen, vor allem das Omelett mit lokalen Kräutern und das Tandoor-Brot, waren hervorragend. Als nette Geste gab es zudem lokale Süßigkeiten aufs Zimmer – nichts Spektakuläres, aber sehr lecker.

👶 Familienfreundlich – oder lieber ohne Kinder?
Obwohl das Hotel nicht explizit als Familienresort positioniert ist, waren während meines Aufenthalts einige Familien mit Kindern anwesend. Sie verhielten sich rücksichtsvoll, doch wer absolute Ruhe und ein rein erwachsenes Ambiente sucht, sollte wissen, dass es hier keine Adults-only-Bereiche gibt. Mich persönlich hat das nicht gestört, für andere könnte es jedoch relevant sein.

🌡 Beste Reisezeit
- Oktober bis März: die angenehmste Reisezeit mit milden Temperaturen und klarem Himmel.
- April bis September: In den Bergen ist es deutlich kühler als an der Küste – ideal für alle, die der extremen Hitze entfliehen möchten.
- April: die beste Zeit überhaupt – kühle Morgenstunden, blühende Damaszenerrosen und besonders intensive Düfte.
✅ Die größten Pluspunkte
- Einzigartige Lage direkt am Canyon mit spektakulären Ausblicken
- Gelungene Kombination aus moderner Architektur und traditionellen Materialien
- Großzügige, luxuriöse Zimmer mit Panoramafenstern und privaten Pools
- Vielfältige Aktivitäten: Wandern, Via Ferrata, Sternenbeobachtung
- Hochwertige Spa-Angebote inklusive Massagen und Jacuzzi
❌ Die wichtigsten Minuspunkte
- Begrenzte Auswahl beim Frühstück, insbesondere bei kalten Speisen
- Kein Adults-only-Bereich – für Ruhesuchende eventuell relevant
- Spürbare Präsenz von Mücken sowie kühle Abende (dafür perfekte Temperaturen, wenn es in der Stadt extrem heiß ist)
💬 Fazit: Für wen ist das Alila Jabal Akhdar ideal?
Alila Jabal Akhdar ist ein Ort, an dem Natur, Stille und erstklassiger Service aufeinandertreffen. Wer Rückzug, beeindruckende Landschaften und aufmerksame Gastfreundschaft sucht, dem kann ich diesen Ort uneingeschränkt empfehlen. In einer Welt voller Reizüberflutung, Termine und sozialer Medien sind selbst ein oder zwei Tage hier – fernab vom Lärm, umgeben von Bergen und mit dem Gefühl, dass die Zeit stillsteht – unbezahlbar.
Wie überall gibt es auch hier Nuancen: Für passionierte Gourmets oder Fans reiner Adults-only-Hotels mag es kleine Einschränkungen geben. Für alle anderen ist es eine echte Auszeit – und eine wohltuende Neuausrichtung.










